250 Jahre Waldkapelle am Märzenbrünnlein | 100 Jahre Glöckchen im Turm
18.08.2025 |
Doppeljubiläum der Waldkapelle am Märzenbrünnlein – Lange Tradition und Geschichte bis in die heutige Zeit
Idyllisch, mystisch, verborgen, sagenumwoben oder ganz einfach ein Platz der Stille. Viele Adjektive und Beschreibungen würden auf die im Walldürner Stadtwald gelegene Waldkapelle am Märzenbrünnlein zutreffen. Eines aber hat sie sich über all die Jahrzehnte bewahrt: Sie ist und bleibt ein spiritueller und geistiger Ort des Glaubens, den viele tausende gläubige Pilger und natürlich auch die Walldürner und die Menschen aus der gesamten Umgebung bis heute besuchten und noch besuchen werden. Das „Märzenbrünnlein“, das im Volksmund sowohl die Quelle als auch die Kapelle meint, hat eine überregionale Strahlkraft und in diesem Jahr ein ganz besonderes Jubiläum.
Quellenangaben zufolge und auch in einem Bericht vom allzu früh verstorbenen Walldürner Professor für Volkskunde, Peter Assion, wurde die ursprüngliche Waldkapelle um 1775 erbaut, also vor 250 Jahren. Sie wurde damals aus Dankbarkeit vom Engelwirt Josef Knörzer gestiftet, nachdem er an dieser Stelle im Stadtwald einen Raubüberfall überlebt hatte. Dieser Vorgängerbau des heutigen Märzenbrünnleins, das im Jahre 1899 vom Kaufmann Josef Heinrich Beuchert, unterstützt von weiteren Bürgern, völlig neu errichtet wurde, darf somit auf ein Vierteljahrtausend alte Geschichte und eine lange Tradition zurückblicken.
Aber auf ein noch weiteres Jubiläum kann das „Märzenbrünnlein“ in diesem Jahr blicken: Nachdem der Neubau erst später dann noch ein Türmchen erhalten hatte, konnte dann auch 1925 ein Glöckchen eingehängt werden, das nunmehr seit 100 Jahren immer wieder durch Besucher das Lob der Muttergottes ertönen lässt. Gestiftet wurde dieses Glöckchen seinerzeit vom Blumenfabrikanten Wilhelm Heß. Ein Doppeljubiläum mit langer Geschichte also, die bei vielen Walldürnern heute noch fest verankert ist.
Historisch und vor allem auch für die Kinder spannend ist das Märzenbrünnlein unterhalb der heutigen Waldkapelle, auch als Märzenquelle bezeichnet. Diese Quelle fördert besonders im Frühjahr nach der Schneeschmelze und bei Regen reichlich Wasser. Dieses Brünnlein ist eine gefasste Quelle und mit Sandsteinplatten überdacht. Der Sandsteinsockel trägt die Inschrift „F Z M R 1 7 1 9 K M“. Das Wasser der Quelle suchte sich lange Zeit auch seinen Weg in das Wildgehege im Marsbachtal.
Theo Beuchert aus Walldürn, der sich jahrzehntelang um den Stationenweg zur Waldkapelle gekümmerte, hat 2006 ein aus Metall gefertigtes Kreuz an dem Quellbrunnen angebracht. Das Kreuz symbolisiert das Christentum, das „X“ steht für Christus, die stilisierten Wellen erinnern an die Schöpfung Gottes und an die Taufe. Möglicherweise haben dort durch die Missionsbenediktiner des Klosters zu Amorbach um 800 n. Chr., ähnlich wie am drei Kilometer entfernten Taufbrunnen, bereits Christen getauft.
Heute noch kommen einzelne Pilgergruppen und Pilger, nachdem sie beim Heiligen Blut in der Wallfahrtsbasilika gewesen sind, über den Stationen-Kreuzweg zum Märzenbrünnlein um dort zu beten. Jahrelang war dies auch Tradition bei der Kölner-Fußwallfahrt, die sich immer am Dienstagnachmittag, am Tag nach ihrer Ankunft in Walldürn, auf den Weg dorthin machten.
Familienausflüge mit Kindern sowie Radler steuern gerne diesen Platz an und um die Waldkapelle im Walldüner Stadtwald an und am Samstag, 13. September wird dort auch wieder die diesjährige Radwallfahrt, als Rundfahrt für den Frieden, ihre dritte Station abhalten. Somit bleibt die Geschichte und die Tradition des „Märzenbrünnleins“ auch in unseren Tagen lebendig und erhalten und das zu jeder Jahreszeit